Honor 7: Erster Eindruck

Heute nachmittag brachte DHL dann endlich das heiß ersehnte Päckchen mit dem neuen Handy und ich hatte dann auch einige Stunden Gelegenheit, es einzurichten und auszuprobieren. Zu wenig natürlich, um mir von seinen Stärken und Schwächen einen vollständigen Eindruck zu verschaffen aber doch so weit, dass es für ein paar Punkte genügt, die ich hier als ersten Eindruck ansprechen möchte.

Emotion UI: Die Oberfläche

Um es vorweg zu nehmen: Mir gefällt fast alles an dem Ding, ganz ehrlich. Im Prinzip gefällt mir auch die Emotion UI. Beispielsweise finde ich die Benachrichtigungsliste so durchaus schicker, als ich es bisher von Android Lollipop kannte. Ich mag auch das mitgelieferte Uhr/Wetter-Widget. Und ich finde es grundsätzlich gut, dass man aus vielen verschiedenen Designs wählen kann.

Was ich nicht gut finde ist, dass es bei diesen Designs so wenige wirklich schicke gibt. Die mitgelieferten Icon Packs haben für die Honor-eigenen Apps zwar oft gut angepasste Icons, für sämtliche anderen Apps, selbst extrem weit verbreitete wie alles von Google oder Facebook, wird meistens irgendwas komisch in eine halbwegs zum gewählten Design passende Standardvorlage gepresst und genau so sieht es dann auch aus. Sorry aber das ist Mist. Das System sollte zumindest für Icon Packs aus dem Play Store geöffnet werden, so wie es ja die gängigen Android-Launcher auch tun.

Behelfsmäßig habe ich mir die Icons aus dem Design „Color Interaction“ geladen, weil die die Icons nicht völlig verunstalten, sondern lediglich einen Kasten mit abgerundeten Ecken darunterlegen und speziell zugeschnittene Icons (wie das vom Facebook-Messenger) einfach so lassen, wie sie sind. Für den Moment mag ich damit leben, wirklich zufrieden bin ich nicht. Es ist natürlich Geschmackssache aber ich bin jemand, der am liebsten möglichst einfarbige Buttons auf dem Homescreen liegen hat oder wenigstens halbwegs einheitlich aussehende Icons dort sehen möchte. Und genau so etwas lässt sich mit der Emotion UI offenbar eben bisher nicht realisieren. Das ist ausgesprochen schade, denn vieles andere daran gefällt mir tatsächlich sehr, sehr gut.

Verarbeitung: Auch hohe Erwartungen kann man noch übertreffen

Das erste, was man von einem Handy wahrnimmt, ist natürlich sein Äußeres. Seine Farben, sein Material, seine Verarbeitung. Und an dieser Stelle habe ich absolut nichts zu meckern. In verschiedenen Testberichten wurden hier Details moniert, beispielsweise die Kunststoffabdeckungen oben und unten an der Rückseite des Gerätes, die nach Meinung mancher Techblogger noch ein wenig stimmiger hätten sein können oder dass die Druckpunkte der Buttons nicht optimal seien. Beides Punkte, bei denen mich das Honor 7 heute positiv überrascht hat. Denn was auch immer da ist, an dem andere sich gestört haben wollen, ich kann es nicht nachvollziehen. Die Buttons fühlen sich beim Drücken genau so wertig und solide an, wie der ganze Rest vom Gerät und die Kunststoffabdeckungen sehen in Wirklichkeit noch besser aus, als auf allen Produktfotos, die ich mir vorher angesehen hatte – und auf denen ich sie nicht nur nicht störend, sondern zum Gesamtkonzept passend und formschön fand.

Wenn man das Honor 7 in der Hand hält, dann freut man sich einfach, wie cool das Design ist und wie wertig es sich anfühlt. Verglichen mit dem zwei Jahre alten Samsung-Plastikbomber, den ich die letzten Wochen ersatzweise mal wieder benutzt habe, wiegt es auch ein gutes Stück mehr. Und es ist geil, dass es spürbar mehr wiegt. Denn dadurch wirkt es einfach noch ein bisschen wertvoller. Kaum einen Smartphonetrend kann ich noch weniger verstehen, als diesen Hype, die Dinger möglichst leicht zu machen. Na klar, keiner will 2015 noch mit so einem Ziegelstein, wie wir sie in den 90ern hatten rumlaufen. Aber das Honor 7 wiegt 157 Gramm. Das ist zwar mehr, als viele andere Smartphones. Aber ja nicht so viel, dass es irgendwie stören könnte. Und dafür fühlt es sich eben gerade auch durch dieses vergleichsweise stolze Gewicht richtig gut an.

Akkulaufzeit: Vom OnePlus One verwöhnt

Wenn ich ein neues Handy habe, dann verbringe ich viele Stunden damit, es einzurichten und alles Mögliche auszuprobieren. So war das auch heute und natürlich ist der Bildschirm dabei die meiste Zeit an und das Gerät immer in Action. Logisch: Das geht auf den Akku. Der war bei Auslieferung zu etwa zwei Dritteln voll. Der Vorgänger des Honor 7 war bei mir das OnePlus One, das mich mit seinem Akku wirklich sehr verwöhnt hat. Doch das Honor kann, so zumindest mein vorläufiger Eindruck nach den paar Stunden intensiver Beschäftigung damit, da durchaus mithalten. Bewähren muss es sich natürlich erst noch im Alltag. Aber fürs Erste sieht es tatsächlich so aus, als hätte ich in Sachen Akku einen wirklich würdigen Nachfolger für das One gefunden.

Der Infrarot-Sensor und seine seltsame App

Nur ganz kurz ausprobiert habe ich den Infrarot-Sensor. Ich habe versucht, damit meinen Fernseher zu steuern. Das lief irgendwie merkwürdig. Man muss so einen Anlern-Prozess durchgehen, bei dem das Honor 7 versucht, einzelne Funktionen wie aus- und einschalten oder die Lautstärke zu steuern und man muss dann immer jeweils angeben, ob das geklappt hat. Es hat eigentlich alles geklappt bis auf die Funktion „Ton aus“, für die die „Smart Controller“ genannte App anscheinend keinen brauchbaren Datenbankeintrag finden konnte. Scheiss drauf, diese Funktion brauche ich ja nun nicht unbedingt, wenn ich den Fernseher gerade mit dem Handy bedienen will, dachte ich. Aber leider hat die App dann beschlossen, dass sie also meinen Fernseher nicht steuern kann und beendete den Anlern-Prozess. Ich werde das auf jeden Fall noch einmal probieren, auch noch mit anderen Geräten aber für den Moment war der Punkt Infrarot-Sensor dann doch etwas enttäuschend, auch wenn ich die Funktion vermutlich so gut wie nie nutzen würde, selbst wenn sie irgendwann perfekt funktioniert.

Ein Fingerabdruck-Sensor, der mehr kann, als nur entsperren

Ein anderer Sensor, dessen Vorkommen in einem Smartphone in meinem Besitz ebenfalls eine Prämiere ist, ist der Fingerabdruck-Sensor. Und der wusste mich allerdings zu begeistern! Wahnsinnig schnelle Reaktionszeit und sehr coole zusätzliche Funktionen, die man ihm geben kann. Beispielsweise kann man ihn als Foto-Auslöser nutzen oder damit die Benachrichtigungsliste runter und auch wieder hoch ziehen. Ich war bisher immer etwas skeptisch, ob so ein Fingerabdrucksensor wirklich hilfreich ist oder ob die schnelle PIN-Eingabe oder gar ein Smart-Lock fähiges Wearable wie das Mi Band nicht doch besser funktionieren. Das Honor 7 hat mich überzeugt: Ich will so schnell kein Handy mehr ohne so einen Sensor haben.

Ein winzig kleiner Mono-Lautsprecher mit verblüffend sattem Sound

Ich las im Vorfeld, dass der eingebaute Lautsprecher relativ gut klingen sollte, dachte mir aber weiter nichts dabei. Sowas habe ich auch schon über andere Handys gelesen, die sich dann bei einem realen Test als nicht weiter ungewöhnlich klingend heraus stellten. Der Lautsprecher des Honor 7 dagegen hat mich umgehauen! Na klar, er ersetzt keine HiFi-Anlage. Aber er klingt einfach viel, viel besser als die meisten Handylautsprecher, die ich bisher so in den Fingern hatte. Ich nutze zum anhören von Podcasts oder Hörbüchern normalerweise gerne so einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher als Verstärker, weils einfach so viel besser klingt als ein Handy. Es könnte gut sein, dass ich diese Angewohnheit in nächster Zeit ablege, weil das Honor schon verdammt nahe an meine kleine Philips-„Handgranate“ rankommt. Wahnsinn, wirklich cool!

Der überraschende Knüller: Die Kamera!

Ich habe vor dem Kauf wirklich wochenlang recherchiert und geschaut, was es so gibt. Mir war klar, dass ich ein richtig gutes Handy gekauft habe und meine Erwartungen waren entsprechend hoch. Enttäuscht hat mich das Honor 7 in keinem einzigen Punkt, der mir wichtig gewesen ist, dafür aber so manche Erwartung tatsächlich noch übertroffen. Und mein absolutes Highlight und auch die größte Überraschung am Honor 7 ist tatsächlich die Kamera! In diversen Testberichten las ich, sie sei ja eher so Mittel, nicht mal so gut wie beim Honor 6+ und in Sachen Nachtaufnahmen käme sie an die Premium-Modelle von Huawei auch nicht ran. Ich erwartete dementsprechend eine durchschnittliche Kamera, die für gelegentliche Schnappschüsse reicht und schrieb die besonderen Licht- und Nachtfunktionen, die Huawei seit diesem Frühjahr ja all seinen neuen Modellen verpasst, mehr oder weniger ab: Nett, sie zu haben aber anscheinend sind die für andere Geräte mit optischem Bildstabilisator gedacht und würden hier nicht wirklich gute Ergebnisse liefern.

Tja und dann stellte ich das Handy kurz mal auf ein Stativ und probierte den „Rücklichtspuren“-Modus aus. Blöderweise stieß ich während des Tests auch noch kurz gegen das Stativ aber egal, es sollte ja nur ein kurzer Test sein… ja, wie cool ist bitte dieses Ergebnis?

Clipboard01

Wie gesagt: Ich bin einmal leicht gegen das Stativ gestoßen, abgesehen davon, dass ich es ein wenig ausgeschnitten habe ist das Bild nicht weiter bearbeitet. Ja klar: Eine DSLR ersetzt das nicht, es ist und bleibt ja schließlich ein Handy. Aber es sind trotzdem relativ sehenswerte Nachtaufnahmen und Lichteffekte machbar, die für Facebook & Co allemal reichen. Und mit ein paar Nachbearbeitungen kann man da sicherlich noch Einiges mehr rausholen.

Auch in der Dämmerung habe ich ein paar Fotos geschossen, die brauchbar waren. Ja: Mit einem optischen Bildstabilisator, wie ihn beispielsweise das Huawei P8 oder das Mate S haben, geht sicher mehr. Das Honor 7 kostet aber die Hälfte – und die Fotos werden trotzdem absolut brauchbar.

Fazit: Ich habe alles richtig gemacht 🙂

Ich hatte heute so 3-4 Stunden Zeit, mich mit meinem neuen Handy zu beschäftigen. In dieser Zeit habe ich natürlich nicht nur ausprobiert, sondern auch diverse Accounts wie Facebook, Amazon, Google und so weiter eingerichtet und die Einstellungsmenüs nach allen möglichen Funktionen durchforstet. Bewähren muss sich das Teil im Alltag – aber begeistert hat es mich in diesen paar Stunden des Probierens und Testens bereits in fast allen Punkten. Honor haut hier für 300 Euro ein Teil raus, für das man anderswo (zumindest so kurz nach Markteinführung) locker 400 oder 500 Scheine auf den Tisch legen muss.

Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Entscheidung – und nun gespannt darauf, wie sich das Honor 7 im normalen täglichen Gebrauch bewähren wird.

Ein Gedanke zu „Honor 7: Erster Eindruck

Hinterlasse einen Kommentar